Beim Swatch-Hauptsitz in Biel in der Westschweiz handelt es sich um eine der weltweit grössten Holzkonstruktionen. Sie stammt aus der Feder des japanischen Architekten Shigeru Ban. Das Meisterwerk wurde im Oktober 2019 durch Nayla Hayek, Präsidentin des Verwaltungsrates der Swatch Group, Nick Hayek, CEO des Konzerns Swatch Group, und den Stararchitekten feierlich eröffnet. Auf 240 Meter Länge und 35 Meter Breite erstreckt sich die schimmernde geschwungene Silhouette des Swatch-Gebäudes. Rund 2.800 Wabenelemente, darunter 442 gebogene Solarelemente, bilden die Fassade. An ihrem höchsten Punkt ragt sie 27 Meter auf. 

Spiegelt den Geist der Marke

Das schuppenartige Design bricht mit den Konventionen klassischer Bürohaus-Architektur. Das Gebäude fügt sich wie ein harmonisch geschwungenes Wesen in die Metropole der Schweizer Uhrenindustrie ein. Wie bei einem Kunstwerk liegt die Interpretation im Auge des Betrachters. Shigeru Ban überzeugte mit seinem originellen und gleichzeitig pragmatischen Konzept sowie der Fähigkeit, den kreativen Geist der Marke im Gebäude widerzuspiegeln. 

Die gewölbte Fassade erhebt sich zum Eingang. Sie überspannt die Strasse und legt ihr Haupt auf die Cité du Temps, wo die Museen der beiden berühmten Bieler Uhrenmarken Swatch und Omega beherbergt sind. Dort erwarten der Planet Swatch und das Omega Museum design- und technikbegeisterte Besucher aus aller Welt. Aussen wie innen durchziehen architektonische Leitmotive das Gebäude mit geschwungenen Formen, Farben und Transparenz sowie klassischen Materialien und Bauelementen.

Eine filigrane Gitterkonstruktion aus Schweizer Fichtenholz bildet das Grundgerüst der 11 000 m2 umfassenden Hülle. Sie überspannt fünf Stockwerke mit 25 000 m2 Geschossfläche. Der Architekt wählte Holz aufgrund seiner ökologischen und nachhaltigen Natur. Holz lässt sich flexibel verarbeiten und präzise zuschneiden – wichtige Spezifika für eine Konstruktion, bei der es auf Millimeter ankam. 3D-Technologie half den Planern, die Formen und Positionen der rund 4 600 Balken zu definieren.

Kreative Elektroplanung 

Die ästhetischen Ziele und architektonischen Dimensionen stellten nicht nur die Bauingenieure vor Herausforderungen. Auch die Elektroplanung musste kreative Wege finden, um Gebäudetechnik, Fotovoltaik, Bus- und Datennetzverkabelung geschickt in die Holzkonstruktion einzufügen.

Projektleiter Roland Hochstrasser von HKG Engineering AG spricht mit Respekt über die Aufgabe: «Die Anforderungen des Architekten an die Gestaltung waren in allen Bereichen enorm gross.»

Experten aus mehreren Ländern und Kulturkreisen kooperierten, um das Kunstwerk auf technischer Seite zu vollenden. Sie brachten unterschiedliche Normen und Konzepte ein, die alle aufeinander abzustimmen waren. Die gewerkeübergreifende Koordination musste fortwährend angepasst werden. Ebenso waren Design, Funktionalität und Anordnung einzeln abzustimmen. Beispielsweise musste die Platzierung sämtlicher Apparate und Elemente wie Steckdosen, Leuchten, Erschliessungsstrassen, Brandmelder und Lautsprecher im Detail besprochen werden. 

«Eine aussergewöhnliche Aufgabe war auch die Koordination der Erschliessung und der Platzierung der Apparate im Bereich der Fassade. Die Leitungen durften nicht auffallen. Die Holzkonstruktion durfte nur an vordefinierten Stellen durchquert werden», berichtet Roland Hochstrasser.

Diskrete Verkabelung

Aufgabe der Etavis Jag Jakob AG war es, für die Strom-, Bus-, Kommunikations- und LANVerkabelung zu sorgen. «Die Installationen waren aufgrund der besonderen Gebäudestruktur nicht leicht zu planen», berichtet Projektleiter Nicolas Schmutz. Er bestätigt die Aussage von Roland Hochstrasser: «Durch die Holzgitterkonstruktion des Daches, an der wir die Verkabelung diskret entlangführen sollten, Architektur für die Uhr – der neue Swatch-Hauptsitz war es unmöglich, kurze, gerade Kabelwege zu finden. Wir hatten Rundungen und viele Eckpunkte einzuberechnen. Das konnte nur nach eingehenden Besichtigungen vor Ort gelingen.»

Neben den konstruktiven Anforderungen sah sich auch das Elektrounternehmen mit gestalterischen Aufgaben konfrontiert. Nicolas Schmutz: «Alle Einbauten, wie zum Beispiel die Steckdosen, Brandmelder, Temperaturfühler und vieles mehr, sollten sich ins Farbkonzept des Architekten einfügen.»

Durch die Holzgitterkonstruktion des Daches, an der wir die Verkabelung diskret entlangführen sollten, war es unmöglich, kurze, gerade Kabelwege zu finden. Wir hatten Rundungen und viele Eckpunkte einzuberechnen.

Nicolas Schmutz, Projektleiter, Etavis Jag Jakob AG

Infrastruktur für 10 Gigabit

Wer kreatives Design mit vollendeten Uhrwerken paart und eine weltweit überragende Marke pflegt, bewegt viele Daten. Deshalb hat das Projektteam alle Voraussetzungen geschaffen, um die Anforderungen von Swatch in puncto Infrastruktur zu erfüllen.

Im Hintergrund verbindet ein fiberoptischer Backbone die einzelnen Stockwerke mit der zentralen IT, welches ein Tempo von 10 Gigabit ermöglicht. Die tertiäre Ebene der Daten- und Kommunikationsinfrastruktur im neuen Hauptsitz besteht aus geschirmten Kat. 7A Kabeln. Für die Anschlussdosen wählte das Projektteam die geschirmten Kat. 6A EL-Module von R&M. Ihre einfache Handhabung erleichterte die Installationsarbeiten. Dank der Verkabelung kann, falls nötig, eine Verbindungsgeschwindigkeit von bis zu 10 Gigabit am Arbeitsplatz ermöglicht werden.

Eine KNX-Bus-Infrastruktur vernetzt die Gebäudeautomation. Integriert sind Heiz- und Kühlsystem, Beschattungsautomation über LON-Bus, Beleuchtung, Sicherheits- und Brandschutzsystem. Das Energiekonzept beruht auf Solartechnologie und Grundwassernutzung. Es ermöglicht, Lüftung, Kühlung, Heizung und Grundbeleuchtung sowohl für das Hauptgebäude als auch für die Cité du Temps autonom zu betreiben.

Von Velospots und Ladestationen über intelligente Verdunkelungen und Verglasungen, von LED-Leuchten und effizienten Lüftungen bis zur thermischen Bauteilaktivierung und papierlosem Büro: Dank moderner Technik und viel Know-how zeigt das neue Swatch-Gebäude, dass modernes Bauen und Arbeiten im Einklang mit der Natur stehen können.