Wie erweitert man das bestehende Hochleistungsnetzwerk der Jungfraubahnen in Europas höchstgelegenem Bahnhof? Und wie schafft man das unter verschärften alpinen Bedingungen? Urs Berger und sein Installationsteam von der Brunner + Imboden AG haben diese abenteuerliche Herausforderung im April 2014 erfolgreich gemeistert – unterstützt durch R&M und weitere Partner.

Seitdem kann die Destination zwischen den Gipfeln von Eiger, Mönch und Jungfrau alle Kommunikations- und Informationsaufgaben übers Internetprotokoll betreiben. All over IP war das Ziel der Neuinstallation der LAN-Verkabelung, die von der Jungfraubahnen Management AG in Auftrag gegeben worden Geplanwar. Hunderttausende Touristen aus aller Welt, die jährlich mit der Zahnradbahn auf die Plattform fahren und die Berg- und Gletscherwelt bestaunen, können nun auch «on Top of Europe» die Vorzüge des digitalen Zeitalters geniessen.

v. l. n. r.: Jürg Gerber, R&M Schweiz; Urs Berger, Brunner + Imboden AG; Heiri Früh, Jungfraubahnen Management AG

Alpine Sensation geschaffen

Es waren mutige Schweizer Arbeiter und Ingenieure, die vor mehr als 100 Jahren eine alpine Sensation schufen: Sie bohrten sieben Kilometer Tunnel durch das Felsmassiv des Eigers und bauten eine elektrisch betriebene Zahnradbahn, die auf der Gesamtstrecke von 9,34 Kilometern 1400 Höhenmeter überwindet. Der Zürcher Oberländer Industrielle Adolf Guyer-Zeller, Initiator und Investor der Jungfraubahn, konnte sich bei der Eröffnung am 1. August 1912 über eine Pionierleistung in der Eisenbahngeschichte freuen. Schon im ersten Betriebsjahr kamen 75 Prozent mehr Fahrgäste als prognostiziert.

Bis heute haben die Jungfraubahn und die Aussichtsplattform auf dem Jungfraujoch ihre magische Anziehungskraft bewahrt. Um die Attraktivität weiter zu steigern, veranlasste die Jungfraubahnen Management AG seit 2012 einige Umbauten. Der Besucherstrom kann jetzt über einen neuen Weg im Berg zwischen Bahnhof, Sphinx-Halle und Eispalast besser fliessen – «Alpine Sensation » nennt sich der Erlebnisrundgang. Weiter wurden die Restaurants erweitert. Und im Rahmen des Projekts wurde auch die Netzwerkinfrastruktur den heutigen Bedürfnissen angepasst.

Extreme Arbeitsbedingungen

Die Herausforderungen bei diesem Verkabelungsprojekt dürfen als einzigartig gelten. Die Jungfraubahn selbst diente als Transportfahrzeug für das Baumaterial. Weil die Bahn nur knappe Transportkapazitäten zur Verfügung stellen kann, mussten 80 Prozent der Installationsarbeiten im engen Zeitraum von acht Wochen zwischen Mitte Februar und Mitte April 2014 bewältigt werden. Eine raue Zeit – es war Winter mit extremen Wetterlagen und Stürmen, die Geschwindigkeiten von 200 km / h erreichten.

Eine perfekt abgestimmte Logistik war von entscheidender Bedeutung. Geplante Lieferzeiten und Liefermengen mussten präzise eingehalten werden. Zum Teil wurde das Installationsmaterial wetterfest verpackt in Zwischenlagern ausserhalb der Gebäude bereitgestellt.

Die Installateure arbeiteten regelmässig an vier Tagen im Zwei-Schicht-Betrieb und übernachteten in Gruppenräumen auf dem Jungfraujoch. Da waren Kollegialität und Teamgeist gefordert. Urs Berger, Projektleiter Brunner + Imboden AG, besuchte die Baustelle mindestens einmal pro Woche – allein seine Anfahrt dauerte jedes Mal fast vier Stunden.

Seine Hauptaufgabe bestand darin, die Mitarbeiter zu coachen und zu motivieren – etwa so, wie Adolf Guyer- Zeller vor über 100 Jahren seine Leute während der 16-jährigen Bauzeit zum Durchhalten motivieren musste.

Die Jungfraubahnen Management AG war nach der Installationsarbeit voll des Lobes. Elektro-Telematiker Heiri Früh: «Produkte, Beratung und Serviceleistungen von R&M waren einwandfrei und wurden den speziellen Projektanforderungen jederzeit gerecht. Die Installation war unter den gegebenen Umständen eine grosse Herausforderung. Die Platzverhältnisse vor Ort sind extrem knapp. Der Installationspartner Brunner + Imboden hat diesen Job sehr gut gemacht.» Weitere Projekte wie eine Sky Lounge sind bereits in Planung.

Das Netzwerk der Jungfraubahn

Im Rahmen der Modernisierung der Jungfraujoch-Bergstation wurde auch die Netzwerkinfrastruktur den heutigen Bedürfnissen angepasst – ganz nach dem Credo «All over IP». Alle elektronischen Geräte laufen über das lokale Datennetz. Vor Ort wurden 100 Telefon- und 200 LAN-Anschlüsse neu installiert. Die R&M-Verkabelungslösung umfasst mehr als 5000 Anschlüsse für Bahnen, Skilifte, Sessellifte und die touristische Infrastruktur. Eine Glasfaserverkabelung dient bereits seit dem Jahr 2000 als Backbone. Sie stammt ebenfalls von R&M (siehe CONNECTIONS No. 22).

Das Jungfraujoch ermöglicht Zugang zu den Mobilfunknetzen von drei Providern. Sogar im Bahntunnel ist die Funkverbindung garantiert. Ein neuer, zweistöckiger Technikraum dient als Zentrale für die Kommunikationsinfrastruktur. Er ist mit 20 Netzwerkschränken und Verteilerräumen verbunden.