«Wenn wir heute einen Verteiler in einer Zentrale installieren, haben wir ein konkretes Bedürfnis für eine Erstbestückung. Wir wissen aber noch nicht, was später alles dazukommt», erläutert Hansjörg Weimer, Technical Manager und Projektleiter ODF-Evaluation bei der Swisscom (Schweiz) AG, die Ausgangslage. Es kann sein, dass später zusätzliche Breakoutkabel zum Einsatz kommen oder dass Fasern nachträglich gespleisst werden müssen. Für neue Dienste müssen eventuell zusätzliche Splitter, Einzel- oder Multifaserstecker installiert werden.

Weil die Zukunft so offen ist, wünschen sich Planer und Montageteams der Swisscom mehr Flexibilität. Sie wollen fiberoptische Verteiler im Core-Netz jederzeit beliebig erweitern oder umbauen können. Hansjörg Weimer erläutert: «Modularität bedeutet für uns, dass wir heute ein Verteilergestell beschaffen und teilbestücken und zu einem späteren Zeitpunkt jederzeit nach Bedarf mit anderen Baugruppenträgern und Einschüben nachbestücken können. Das fehlt bei den alten Verteilern.»

Deshalb suchte Swisscom nach einer neuen Verteiler-Generation für ihre Zentralen. Ziel war ein möglichst einfacher Grundaufbau, der sich schnell an heutige und künftige Szenarien anpassen lässt – mit niedrigen Portkosten. Jede Variante des Netzausbaus sollte leicht umsetzbar sein.

Das landesweite Core-Netz, Rückgrat aller Swisscom-Dienste, besteht bereits seit über 30 Jahren praktisch nur aus Glasfaser-Verkabelungen. Diese grundlegenden fiberoptischen Infrastrukturen werden weiter an Bedeutung gewinnen. Business-Kunden, Rechenzentren, Mobilfunk, Aussenzentralen und die weiter-
hin stark wachsenden Access-Netze (FTTH, FTTS, FTTB etc.) der Swisscom werden das Core-Netz zunehmend beanspruchen. Der variable Ausbau muss sichergestellt sein. So kann Swisscom überall und jederzeit eine schnelle und breitbandige Datenübertragung über grosse Distanzen gewährleisten.

Auf der Suche nach einer neuen, modularen Verteilerplattform wollte sich Swisscom nicht allein auf technische Beschreibungen, Leistungskataloge und Preise verlassen. Zahlreiche Stakeholder im Haus wurden nach deren Bedürfnissen befragt und daraus ein Pflichtenheft erstellt. Geeignete Produkte von mehreren Anbietern unterzog Swisscom einem zweimonatigen Praxistest.

Portkosten optimiert

Ich schätze R&M als zuverlässigen, innovativen und langfristig stabilen Partner mit einer qualitativ hochwertigen und marktgerechten Produktpalette. Unsere Projekte werden von sehr kompetenten Mitarbeitenden konstruktiv und zielorientiert unterstützt und begleitet.

Hansjörg Weimer, Technical Manager und Projektleiter ODF-Evaluation, Swisscom (Schweiz) AG

Der R&Mfoxs ODF erzielte in der Gesamtbetrachtung, bestehend aus kommerziellen und technischen Anforderungen, gemäss Pflichtenheft, Kosten und Praxistest-Ergebnissen das beste Resultat. Für Swisscom ändern sich damit zwei wesentliche Punkte: die Flexibilität, weil der R&Mfoxs ODF mehr Möglichkeiten bietet punkto Stecker- und Modulwahl. Zweitens sinken die Kosten pro Port, was den Kunden in Form von günstigen Preisen zugutekommt.

Nach dem Entscheid für den R&Mfoxs ODF bereiteten Swisscom und R&M den Generationenwechsel vor. Einige Komponenten wurden den Vorstellungen der Swisscom angepasst und standardisiert. R&M definierte die spezifischen Bestell- und Logistikprozesse. Racks und Baugruppen lassen sich umgehend nach Bedarf ausliefern. Zusätzlich bietet R&M Schulungen an und stellt ein Installationshandbuch sowie Dokumentationen zur Verfügung. Über QR-Codes an den Racks können Monteure die Dokumentationen digital abrufen.

Langfristig ist geplant, schweizweit mehr als 900 Standorte mit dem R&Mfoxs ODF auszurüsten. Die Verteiler werden mehrere Jahrzehnte lang in Betrieb sein. Im Sommer 2018 sind die Installationen angelaufen.

Das Pilotprojekt in Zug

Swisscom stattete das Central Office (CO) in Zug als ersten Standort mit dem neuen R&Mfoxs ODF aus. Der Verteiler wird als klassischer ODF eingesetzt. Auf ihm enden alle Erdkabel des Core-Netzes. Hier sind die Verbindungen zu anderen CO, Rechenzentren, Mobilfunkantennen, primären Übertragungsstellen (PUS) und die direkten Kabel zu Business-Kunden. Zudem schaltet Swisscom über den ODF hausinterne Verbindungen zu eigenen Ausrüstungen oder zum Equipment von Kollokationspartnern.

Am Standort Zug mussten rund 3000 Fasern von Outdoor-Kabeln umgespleisst werden. Hinzu kamen rund 1000 Fasern von internen Querverbindungen zu Umschaltungen, Kollokationspartnern, Mobilfunkantennen sowie Querverbindungen ins FTTX-Netz.

Zur Basis des von Swisscom eingeführten R&Mfoxs-Sortiments gehören 180 und 220 cm hohe, offene R&Mfoxs ODF Verteilerplattformen. In der Hauptpost Zug sind aktuell sechs R&Mfoxs ODF 220 cm mit unterschiedlicher Bestückung im Einsatz.

links: Hansjörg Weimer, Technical Manager und Projektleiter ODF-Evaluation, Swisscom (Schweiz) AG; rechts: Roger Albisser, Fachliche Leitung Region Mitte, Network Site Management, Swisscom (Schweiz) AG

Umfassender Evaluationsprozess bei Swisscom

Im Rahmen der Evaluation einer neuen Verteilerplattform bewertete Swisscom mehr als die technischen Daten. Ausgewählte Produkte von fünf Herstellern wurden in Zürich einem zweimonatigen Praxistest unterzogen.

Die Testequipe setzte sich aus internen und externen Installateuren, Spleissern und Field- Service-Mitarbeitenden zusammen. Das Team montierte und bestückte die Racks zum Teil unter Zeitdruck. Dabei wurden unter anderem:

  • Erdkabel gespleisst
  • Breakoutkabel eingelegt
  • Patch-Überführungen gesteckt
  • Montageabläufe beobachtet
  • Der Grad der Modularität bewertet

Das Evaluationsteam stattete die Testmonteure mit einem Fragenkatalog aus, der detailliert beantwortet werden musste. So ergab sich ein breit abgestütztes Resultat für die weitere Evaluation. Anhand der Testergebnisse liess sich zudem abschätzen, wie viel Arbeitsaufwand die Plattform generiert – ein wichtiger Faktor der Betriebskosten.

Der R&Mfoxs ODF überzeugte vor allem aufgrund des modularen Prinzips und der selbsterklärenden Montagetechnik. Sämtliche Arbeitsbereiche sind gut zugänglich. Nach der Montage sitzt alles fest an seinem Platz. Es gibt keine Faserbewegungen, das erhöht die Betriebssicherheit. Das bewerteten die Testmonteure sehr positiv. Das Material des R&Mfoxs ODF beschreibt Technical Manager Hansjörg Weimer als hochwertig und bedarfsgerecht. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis entspricht den Erwartungen.

Sein Fazit: «Mit dem R&Mfoxs ODF bekommen wir ein deutlich modulareres System, als wir es bisher im Einsatz hatten. Es ermöglicht uns, Kabel und Stecker bedarfsgerechter einzusetzen. Die niedrigeren Kosten pro Port und das einfache Handling reduzieren den Investitions- und Betriebsaufwand, was unseren Kunden zugutekommt. Bei Grundsatzfragen wie der Evaluation und Einführung von neuen Infrastrukturprodukten lohnt es sich aus unserer Sicht, die Produkte in möglichst realistischer Umgebung vertieften Praxistests zu unterziehen. Erst dabei zeigt sich, welche Herausforderungen und Kosten im Alltag auftreten können. Infrastrukturprodukte sind langlebig und verursachen über einen langen Zeitraum Betriebskosten. Diese sollten möglichst genau ermittelt und verglichen werden.»