Der Entscheid war eindeutig. Im März 2012 stimmten nahezu 100 % der Flawiler in einer Bürgerversammlung für den Bau eines autonomen, flächendeckenden FTTH-Netzes. Flawil wollte nicht auf den Glasfaser-Rollout grosser Netzbetreiber warten, sondern die Sache selbst in die Hand nehmen. Das Projekt liegt in der Verantwortung der Technischen Betriebe Flawil (TBF), dem Versorgungsunternehmen der Gemeinde. Bis Ende 2018 sollen rund 5000 Anschlüsse verlegt werden.

Kapazität des ODF überzeugt

Verteilerzentrale mit dem R&Mfoxs System: Zum Einsatz kamen unter anderem 311,5 km Microkabel mit 12–72 Fasern sowie 35,5 km Feederkabel mit 288–576 Fasern.

Mehrere Faktoren tragen dazu bei, dass die TBF ihr Projekt sogar einige Monate früher als geplant abschliessen werden: professionelle Planung, fachliche Kompetenz und Erfahrung, reibungslose Projektorganisation und installationsfreundliche Verkabelungssysteme. Der R&M Optical Distribution Frame (ODF) dient als Plattform für die Verteiler. Dessen Kapazität und modulare Bauweise hatten die TBF-Experten überzeugt.

Ab Mitte 2018 verfügen alle Gebäude in Flawil über einen FTTH-Anschluss mit je vier Fasern und zahlreichen Optionen für die Zukunft. Die TBF haben das Netz als Dark-Fiber-Lösung offen konzipiert. Unterschiedliche Kommunikationsdienstleister und Provider mieten Fasern und speisen ihre Angebote ins lokale Netz ein.

Mit Glasfaser-Verkabelungen ist der kom- munale Versorger seit 1992 vertraut. Das Unternehmen hatte damals eine erste interne Glasfaserverbindung aufgebaut. Sie diente zum schnellen Datenaustausch zwischen zwei Standorten. Schrittweise wurden weitere Glasfaserstrecken für die Steuerung der Gas-, Wasser- und Elektrizitätsversorgung aufgebaut. Bald standen zwei Backbones zur Verfügung – ein Nord-ring und ein Südring.

Die TBF öffneten das lokale Glasfasernetz früh für externe Nutzer. Dazu zählte das Kommunikationsnetz der Behörden und Gemeinden des Kantons St. Gallen (KOM SG). Auch die GAS&COM AG, ein Anbieter von Glasfaserverbindungen mit Hochsicherheits-Anforderungen, mietet Fasern.

Startschuss und Finanzierung

Die Kapazität und modulare Bauweise des ODF von R&M haben uns überzeugt.

Andreas Lämmlin, Projektleiter TB Flawil

Zu ihrem hundertjährigen Bestehen im Jahr 2011 hatten die TBF eine neue Ära eingeläutet. Flawil sollte flächendeckend mit FTTH und Gigabit-schnellem Internet erschlossen werden. Ein wesentlicher Standortvorteil für die über 10 000 Einwohner zählende Gemeinde.

Das Unternehmen wollte die Investition in Höhe von mehr als CHF 10 Mio. aus eigener Kraft bewältigen. «Das ist eines unserer Alleinstellungsmerkmale: Wir machen alles selbst und die Bürger setzen grosses Vertrauen in uns», erläutert TBF-Projektleiter Andreas Lämmlin. «Wir werden früher als geplant in die Gewinnzone kommen, denn wir haben seit Beginn zahlende Kunden», sagt Andreas Lämmlin.

Andreas Lämmlin, Projektleiter TB Flawil (links); Thomas De Steffani, R&M Schweiz (rechts)

Viele Kunden – starker Partner

Den Kundenstamm sicherten sich die TBF durch die Übernahme von zwei lokalen Kabelfernsehnetzen. Dadurch erhielten sie
leichten Zugang zu vielen Wohnungen. Die Koax-Infrastruktur wurde durch Glasfaser-Verkabelung ersetzt.

«Es ist sinnvoller, ein altes Netz abzulösen, anstatt ein zusätzliches aufzubauen. Das bringt eine gewisse Grundlast», lautet die Erkenntnis von Andreas Lämmlin. Für die Teilnehmer sei es am einfachsten, wenn sie möglichst viele Dienste über ein einheitliches, neues Glasfasernetz beziehen können.

Ausserdem wurde Swisscom starker Kooperationspartner der TBF, nutzt zwei der vier Fasern für jedes Haus und muss in Flawil kein eigenes FTTH-Netz bauen. Stattdessen trägt Swisscom zur Auslastung und Finanzierung der Infrastruktur bei.

Übergabepunkt: ODF-Spleissmodul von R&M

OTO als Übergabepunkt

Das redundante Glasfasernetz besteht aus einem Ring mit vier POP und 26 Trafostationen. Von diesen Stationen führt jeweils eine Sternverkabelung zu den Häusern und Firmengebäuden. Die TBF verlegen in jedes Haus hinein ein Rohr mit Glasfaserkabeln oder nutzen nach Möglichkeit vorhandene Rohre.

Örtliche Elektroinstallateure montieren im Auftrag der TBF den Übergabepunkt. Dieser besteht aus dem Optical Termination Outlet (OTO) von R&M. Die Partner vor Ort hatten den OTO zu ihrem Favoriten erklärt, weil er sich leicht installieren lässt. Weiteres Equipment stellen die TBF nicht zur Verfügung. So bleibt die Infrastruktur schlank, überschaubar und kostengünstig. Die Teilnehmer bzw. Hausbesitzer passen die Infrastruktur innerhalb der Gebäude selbst an und stellen die Verbindung zum OTO her.

Verteilerzentralen

In den Verteilerzentralen POP und Trafostationen kommen kompakte modulare und vor allem kostenoptimierte R&Mfoxs ODF-Lösungen zum Einsatz. Die ODFs wurden mit dem Backbone ausgebaut und danach je nach Ausbaugebiet mit Einschüben erweitert, nach dem «Pay as you grow»-Prinzip.

Neue High-Density-Einschübe wurden mit Standardeinschüben gemischt, um Backbone und Abonnent klar zu trennen und die Kosten dadurch tief zu halten.

In den unterschiedlich grossen Trafostationen mit teilweise engen Platzverhältnissen konnten mit den flexiblen R&Mfoxs-Modulen optimale Wandlösungen realisiert werden.