Bisher brachte man den Berner Stadtteil Wankdorf mit exklusiven Messen der Bernexpo oder populären Spielen im Stade de Suisse in Verbindung. Seit September 2014 kann das Quartier mit einem weiteren Highlight internationalen Ranges aufwarten: dem neuen Rechenzentrum der Swisscom. Es gilt als eines der modernsten Rechenzentren Europas und ist vorbildlich in puncto Sicherheit, Verfügbarkeit und Effizienz.

Ein neues Kühlkonzept bringt die Anlage auf einen PUE*-Spitzenwert von 1.2. Mit anderen Worten: 84 % der eingesetzten Energie fliessen tatsächlich in die IT-Leistung. Der europäische Durchschnitt liegt mit einem PUE von 1.95 etwas über 50 %. Kühlung und Lüftung beanspruchen nur 8 % des Stromverbrauchs– fast fünfmal weniger als der europäische Durchschnitt.

Hinter der gesamten Planung stand der ökologische Grundgedanke der Swisscom. Das Rechenzentrum betreibt keine Kältekompressoren. Es kühlt mit Aussenluft und im Sommer mit der Verdunstung von gesammeltem Regenwasser. Die Abwärme heizt die Häuser im angrenzenden Wohngebiet. Die unterbrechungsfreie Stromversorgung läuft nicht über Batterien, deren Herstellung und Entsorgung die Umwelt belasten, sondern über Generatoren mit Schwungmasse, sogenannte «No- Break-Anlagen». Den Strom bezieht Swisscom aus erneuerbaren Quellen.

v. l. n. r.: Jürg Gerber, R&M Schweiz; Roland Probst, Bereichsleiter Region Bern swisspro NW AG; Thomas Gygax, Data Center Hardware Services Swisscom (Schweiz) AG; Rudolf Anker, Head of Data Center Management Swisscom (Schweiz) AG.

Erstes Tier-IV-RZ der Schweiz

Rudolf Anker, Head of Data Center Management und Projektleiter bei der Swisscom, freut sich mit seinem Team über die Anerkennung: «Als erstes Rechenzentrum der Schweiz erhielten wir nicht nur die Tier-IV-Zertifizierung des Uptime Instituts für höchste Ausfallsicherheit, sondern auch den Watt d’Or in der Kategorie erneuerbare Energien.» Mit diesem Preis hat das Schweizerische Bundesamt für Energie im Januar 2015 die Swisscom AG als Bauherrn und die RZintegral AG für die Planung des Rechenzentrums ausgezeichnet.

Das neue Rechenzentrum beherbergt aktuell rund 5000 Server, auf denen etwa 10 000 Kundensysteme laufen. Sicherheit gibt unter anderem der Verbund mit dem Rechenzentrum Zollikofen, in dem die Daten und Prozesse gespiegelt sind.

Hohe Anforderungen an die Betriebssicherheit paart Swisscom mit der nötigen Flexibilität. Thomas Gygax, Data Center Hardware Services der Swisscom (Schweiz) AG in Bern, sagt: «Wir müssen verschiedenste Servertypen der heutigen wie auch der nächsten Generation zu jeder Zeit und an jedem Standort installieren können. Da darf uns die Netzwerkstruktur nicht einschränken.»

Durchdachte Netzwerkstruktur

Die Struktur des neuen HDB (Hybrid Delivery Bus) entspricht einer Full-Mesh-Topology im Core-Bereich und einer Baum-Topology im Access Bereich. Die Access-Switches befinden sich in einem zentralen Wire Center.

So kann jedes Rack zentral angebunden und überall jedes Netz zur Verfügung gestellt werden. Diese zentrale Lösung verlangt «viel Kupfer», wie Thomas Gygax sagt. Tatsächlich wurden im Swisscom Rechenzentrum 11 500 Links mit 23 000 Kat. 6A Modulen und rund 280 Kilometer Kat. 7A AWG 22 Kupfer-Datenkabel von R&M installiert bzw. verlegt. Ausgerollt würde dies die Distanz Genf – Bern – Zürich abbilden. Die Wahl fiel auf die R&M High-Density-Lösung, weil diese unübertroffen ist. R&M konnte jedoch nicht nur mit dem 48 Port-HD-Panel punkten. Für Swisscom zählten auch Normkonformität, Qualität und die Erfahrungen aus bisherigen Projekten. R&M hat in diesem Zusammenhang innert kürzester Zeit auch eine individuelle Nummerierung für die Modulhalter entwickelt.

Auch für den Installateur war das Projekt von grosser Bedeutung. Laut Roland Probst, Bereichsleiter Region Bern der swisspro NW AG, war die hochgradig verdichtete Infrastruktur «eine Herausforderung und nicht branchenüblich». Das Ergebnis kann sich sehen lassen: «Die Fehlerquote war praktisch bei null», bemerkt Roland Probst abschliessend.

Zufrieden ist auch Thomas Gygax mit den Messergebnissen im Short Range und mit den Reserven über längere Strecken: «Durch die zentrale Anbindung kann es sein, dass ein Server-Rack acht bis zehn Meter vom Wire Center entfernt steht. Auch auf diesen Strecken brauchen wir natürlich eine absolut saubere Signalübertragung.»